Countdown: Recherche oder Niemand darf meine Browser History sehen

So oder so ähnlich geht es fast allen Autoren. Egal, was für ein Buch man schreibt, die Recherche ist unerlässlich. Gerade für historische oder wie bei mir alternativ historische Romane, sind Details oft entscheidend. Die Recherche frisst sehr viel Schreibzeit. Vor allem, wenn man in den Tiefen des Internets wühlt und, ähm, auf interessante Dinge stösst.

Das Gif links veranschaulicht wunderbar, wie Recherche übers Internet aussieht. Man sucht nach etwas bestimmten, nach einem Stadtplan von Budapest um 1900 zum Beispiel, bemüht Google und findet haufenweise Karten - aber nicht diese eine Karte, die man braucht. Man googelt noch ein wenig mehr, folgt einigen Links und schon ist es passiert.

Man hat jetzt zwar ein paar brauchbare Karten, aber noch so viel mehr! Und irgendwie ist alles interessant, wichtig und vor allem: Vielleicht kann ich diese Informationen später noch einmal brauchen? Vielleicht sollte ich noch ein wenig mehr darüber recherchieren?

Ihr wollt nicht wissen, wie ich von "Stadtplan Budapest, 1900" zu "How to Make Other People's Lifes Miserable" gekommen bin. Oder warum ich, nachdem ich mir auf Youtube wohl jedes einzelne Tierbaby Video angeschaut habe, bei mittelalterlichen Foltermethoden gelandet bin (so etwas brauchte ich nicht einmal für mein Buch!), während ich eigentlich die Geschichte des Flugzeugs recherchieren sollte.

Warum sich die Mühe geben?

Auch wenn ich Steampunk schreibe und mir dadurch einige Freiheiten lassen kann, die jemand, der historische Romane schreibt, nicht kann, so sollten die Rahmenbedingungen und die Details doch stimmen und stimmig sein. Als ich vor vier Jahren mit den ersten Planungen zu Cesario Aero angefangen habe, hatte ich zwar ein gewisses Mass an Wissen über das Britische Empire und Japan während des Shogunats, aber ich wollte mich als Autorin sicher fühlen. Also habe ich mir Bücher gekauft und in der Bibliothek ausgeliehen. Zeitgleich mit dem geschichtlichen Wissen, das ich mir angeeignet habe, habe ich mich tiefer in die Materie Steampunk gewühlt (zum Thema Steampunk ist ein Blogeintrag in Arbeit).

Das geschichtliche Hintergrundwissen half mir, mich in meine Figuren hinein zu fühlen und sie so authentischer zu machen. Wie lebte ein Samurai kurz vor der Meiji-Restauration? Wann wurde die Kettenbrücke erbaut und ist es möglich, unter ihr hindurch zu fliegen? Wie lebte es sich als Frau in London Ende des 19. Jahrhunderts? Wie sieht ein viktorianisches Kleid aus, und wie wird es angezogen? Wie sieht die Mechanik eines Doppeldeckers aus?


Solche und noch viele mehr Fragen stellten sich mir, während ich CA geschrieben habe. Manche davon kamen erst auf, als sie für den Plot relevant wurden, andere musste ich klären, bevor ich überhaupt mit dem Schreiben beginnen konnte.

Zum Glück wusste ich bereits, wie es sich anfühlt, in einem Kleinflugzeug zu fliegen. :)


Wollte ich nicht wieder Stunden im Internet verlieren, nur weil ich ein winziges Detail recherchieren musste (Japanisches Trinklied für Takeo), machte ich mir direkt im Dokument eine Notiz, um beim Überarbeiten darauf zurück kommen zu können. Oft blieb es im "Flow" jedoch nur bei einem Gurkensalat, wo ich dann später wieder rausfinden musste, was genau ich denn da schreiben wollte.

Immer zur Hand war mein Kuddelmuddel-Notizbuch. Niemand ausser mir versteht kein Gekritzel da drin, denn ich schreib mal da ein Wort auf, dort eine Notiz zu Kapitel 3, zwei Seiten weiter zu Kapitel 10, mache gleich darunter eine Skizze oder mache eine Liste mit passenden Nachnamen für eine Nebenfigur.

Recherche ist verdammt viel Arbeit und verschlingt verdammt viel Zeit. Ich weiss gar nicht mehr, wie viel Zeit ich in den vier Jahren insgesamt dafür aufgewendet habe. Aber es hat sich mehr als gelohnt. Natürlich durfte ich mir am Ende einige Freiheiten lassen, schliesslich schreibe ich Steampunk. :)

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