Plotten für Dummies - Teil 2: Die Heldenreise

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Falls du den letzten Schreibtipp verpasst hast, findest du ihn hier.

 

Letzte Woche haben wir uns die einfachsten Methoden angeschaut, wie du zu deinem Plot kommen kannst. Diese Woche wird es etwas komplizierter. Weil der Artikel viel zu lang wurde, teile ich ihn noch einmal auf. Heute geht es also nur um die Heldenreise.

Es ist die einfachere der beiden Methoden. Die Heldenreise ähnelt in ihrer Struktur und ihrem Aufbau der 7-Punkte-Methode, ist jedoch etwas komplizierter in der Bedeutung der einzelnen Schritte. Hier ist viel Platz für Meta.

Wenn einer eine Reise macht

Die Heldenreise ist eine der beliebtesten Plotmethoden, denn sie beinhaltet oft den Auserwählten™. Es gibt so viele Beispiele aus Filmen und Büchern, dass man mit geschlossenen Augen wahllos auf etwas zeigen könnte. Zu den Klassikern gehören sicherlich der Hobbit und die Herr der Ringe Trilogie, aber auch Star Wars, Conan der Barbar, so ziemlich jeder Disney Film und – ihr könnt es euch denken – fast jedes High Fantasy Buch.

 

Die Heldenreise ist ein runder Plot, denn im Idealfall schließt er in einem Kreis. Die Reise endet, wo sie angefangen hat, nur der Held ist nicht mehr der- oder dieselbe. Es geht von der bekannten Welt hinaus in die Fremde, wo der Held Abenteuer und Prüfungen bestehen muss, Freunde, Verbündete und Feinde trifft, sich durch die neuen Erfahrungen entwickelt und am Ende vielleicht sogar die Welt rettet.

Die Heldenreise im Detail

Einführung: Der Held und seine gewohnte Welt, seine Heimat, sein Umfeld werden dem Leser vorgestellt. Dies ist der Status Quo, die Ausgangslage. Wichtig hierbei ist, dass der Held eine gewisse Unzufriedenheit verspürt. Beispiel Luke Skywalker: Alle seine Freuende sind weg und er will auch endlich an die Akademie, doch seine Zieheltern lassen ihn nicht.

 

Das Abenteuer ruft: Es wird Zeit, dem Helden eine Gelegenheit zu geben, aus seinem Alltag auszubrechen. Bei Luke wäre das der Hilferuf von Leia, den er beim Putzen von R2D2 entdeckt.

 

Akzeptanz: Es gibt Helden, die nicht sofort dem Ruf folgen, weil sie etwas zurückhält. Angst, Pflichtgefühl, Minderwertigkeitsgefühle, was auch immer. Erst, wenn es nicht mehr anders geht, folgt der Held dem Ruf. Wieder Beispiel Luke Skywalker: Erst, als seine Tante und sein Onkel getötet werden und sein Zuhause in Flammen aufgeht, verlässt er mit Obi Wan Kenobi Tatooine.

 

Hilfe: Hier kommt der Mentor ins Spiel. Nachdem der Held akzeptiert hat, dass es kein Zurück mehr gibt, trifft er oft auf einen Mentor oder eine mysteriöse Figur, die dem Helden auf seiner Reise hilft. Bei Luke ist dies Obi Wan Kenobi. Meistens gibt diese Figur dem Helden ein (magisches) Objekt oder trainiert ihn.

 

Schritt über die Schwelle: Es muss nicht zwingend der magische Übertritt durch ein Portal in eine andere Welt sein wie in Narnia. Der Schritt über die Schwelle ist zum Beispiel Samweis Gamdschie, der am Rande eines Feldes stehenbleibt und erstmal tief durchatmen muss, bevor er den nächsten Schritt macht, weil er noch nie so weit von Zuhause entfernt gewesen ist. Es ist der Schritt von der bekannten in die unbekannte Welt.

 

Erste Abenteuer in der neuen Welt: Der Held beginnt, sich in der neuen Welt zurechtzufinden, trifft vielleicht auf Verbündete und Freunde. Die Erlebnisse beginnen ihn zu prägen, doch er hat sich noch nicht vollkommen seiner neuen Aufgabe verschrieben.

 

Im Bauch des Wals: Die Gefahr verdichtet sich und der Held muss zum ersten Mal richtig kämpfen. Ab hier gibt es kein Zurück mehr. Der Held entscheidet sich, den Weg weiterzugehen. Als Beispiel Frodo: Nachdem er von den Ringgeistern angegriffen und beinahe getötet wird, entscheidet er sich bei Elronds Ratssitzung trotzdem dafür, den Ring zu vernichten.

 

Prüfungen: Auf dem weiteren Weg muss der Held immer wieder Prüfungen und Erlebnisse meistern, die seine bisherigen Überzeugungen infrage stellen. Seine innere Stärke wird auf die Probe gestellt, und oft auch die Beziehungen zu seinen Weggefährten.

 

Die tiefste Höhle: Der Held wird mit dem vollen Ausmaß der Gefahr, mit dem Antagonisten konfrontiert. Ihm wird klar, was alles auf dem Spiel steht und muss sich sich selbst und seinen Ängsten stellen. Er geht (sprichwörtlich) kopfvoran in die dunkle Höhle. Das ist die Stelle kurz vor dem großen Finale.

 

Im Angesicht der Gefahr: Unser Held muss alles, was er auf seiner bisherigen Reise gelernt hat, aufwenden und in die Waagschale werfen, um die Gefahr zu bewältigen, damit er siegreich hervorgeht. Dies ist einer der Höhepunkte des Plots.

 

Die Belohnung: Ka-Ching, Jackpot! Der Held erhält seine Belohnung. Vielleicht ist es die Prinzessin, die er befreit hat (oder der Prinz), das magische Elixier, die Schatztruhe oder das legendäre Schwert. Es kann auch die Wiedervereinigung mit Freunden oder Liebsten sein – Hauptsache, unser Held wird für seine Mühen belohnt.

 

Buße: Eigentlich könnte man nun die Heimreise antreten, doch der Held bemerkt, dass er auf dem Weg viele Fehler gemacht hat, was zu inneren Konflikten führt. Vielleicht hat er Leute getötet und bereut es nun, oder er erfährt, dass er eigentlich gar nicht der strahlende Held ist, wie er denkt, sondern dass er manipuliert worden ist und viel Mist gebaut hat. Auf dem ersten Teil der Heimreise versucht er daher, mit seinem neuen Ich klarzukommen und allenfalls begangene Fehler wiedergutzumachen.

 

Wahre Wiederauferstehung: Dies ist der eigentliche Höhepunkt, denn nun heißt es, den finalen Bossgegner zu besiegen. Hier geht es um Leben und Tod. Wo unser Held vorher noch gezweifelt hat, entscheidet sich hier, ob er tatsächlich als sein neues Ich wiedergeboren (vielleicht sogar wortwörtlich) werden kann.

 

Die Heimreise: Endlich geht es wieder nach Hause. Unser Held hat seine Aufgabe erfüllt und ist an dieser gewachsen. Er hat sich entwickelt und ist kaum noch vergleichbar mit der Person, die er zu Beginn war. Er ist im Frieden mit sich selbst und der Welt. Auch wenn er weiß, dass er nie wieder wirklich in seine alte Heimat passen wird, so ist er gefestigt genug, um damit klar zu kommen. Bestes Beispiel hierfür wäre die Rückkehr der Hobbits ins Auenland (wobei Frodo später zu den Grauen Anfuhrten geht).    

Ich mag die Heldenreise an sich sehr gerne, wende sie selbst aber selten an. Einerseits, weil ich meist keine klassischen Heldenplots habe (oder haben will), andererseits, weil die Gefahr von Klischeefettnäpfchen an vielen Ecken lauert, die es geschickt zu umschiffen gilt.

 

So, und da du nun weißt, wie so ein Heldenepos aufgebaut ist, kannst du die Probe aufs Exempel machen:

Wie viele Bücher stehen in deinen Regalen, bei denen dieser Plot zur Anwendung gekommen ist? Ist die Heldenreise nur etwas für die Fantasy und die Science Fiction oder findest du sie noch in anderen Genres?    

Ich wünsche dir viel Erfolg!

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Nächste Woche:

Diese eine Plotmethode, auf die viele Autoren schwören, mich selbst aber an den Rand des Wahnsinns getrieben hat: Die Schneeflockenmethode.