Plotten für Dummies - Teil 4: Plotlos ins Abenteuer

Herzlich Willkommen zum Schreibtipp Freitag! Schön, bist du wieder mit dabei.

Falls du den letzten Schreibtipp verpasst hast, findest du ihn hier.

 

Diese Woche spreche ich vor allem die Bauchschreiber unter euch an, aber auch all diejenigen, die gerne auch mal ohne bis ins letzte Fitzelchen Detail ausgearbeitetem Plan arbeiten oder arbeiten wollen.    

Plotlos ist nicht gleich kopflos

Wie ich in früheren Artikeln schon geschrieben habe, machen wir vieles instinktiv richtig, was das Erzählen von Geschichten angeht. Wir haben vielleicht sogar einen kleinen Film im Kopf, vielleicht nur eine Szene, ein Dialogfetzen oder eine Figur. Manchmal reicht das schon, um ein anständiges Buch schreiben zu können, da man das Gerüst im Kopf hat.

 

Plotlos heißt also nicht zwingend, dass man sich kopf- und planlos auf ein leeres Dokument stürzt. Meistens hat man bereits einen vagen Plan, eine fixe Idee, ein paar coole Figuren und vielleicht gar eine Vorstellung davon, wie der Weltenbau aussehen kann. Hey, das reicht aus, um loszulegen! Ich habe das mehr als einmal gemacht und daraus ist zum einen mein Debüt entstanden, das beim Deutschen Phantastik Preis 2016 im Finale war, zum anderen ein Buch, das ich gerade überarbeite.

Gärtner vs. Architekten

Jeder Mensch arbeitet unterschiedlich, davon sind wir Autoren nicht ausgenommen. Die einen sind sehr detailverliebt und planen jede einzelne Szene, andere hangeln sich an ein paar Eckpunkten entlang. Die einen sind Plotter (oder gar Superplotter), andere sind Bauchschreiber.

 

Der Vergleich mit Architekten und Gärtner passt ziemlich gut, finde ich. Architekten, also Plotter, kümmern sich nicht nur um das Grundgerüst, das Fundament und das Dach, sondern auch um die Statik, das Baumaterial, die Ornamente und die Dachrinnen. Sie betätigen sich als Innenarchitekten, fragen sich schon vor dem Baubeginn, welche Tapeten an die Wände kommen und wie viele Lampen nötig sind.

Gärtner, also Bauchschreiber, hingegen sähen ein paar Samen, ein paar Ideen aus, und lassen sich überraschen, was daraus wachsen wird. Manchmal wissen sie, welche Samen sie wo ausgesät haben und damit auch, welche Pflanzen dort wachsen werden – aber nicht, welche Farben die Blüten oder welche Form die Blätter haben werden. Manchmal sind sie selbst überrascht, wenn sie am Ende einen dichten Dschungel haben, weil sie eigentlich eher einen verwilderten Kräutergarten wollten.

 

Das sind natürlich zwei Enden eines großen Spektrums. Ich selbst zähle mich eher zu den Gärtnern, aber ich plane gerne meine Beete im Voraus, lege mir Kieswegen an und weiß, dass ich von dem Apfelbaum dort hinten in der Ecke Äpfel werde ernten können und nicht Pfirsiche. Was aber genau in die Beete kommt und was dann daraus wächst, davon lasse ich mich überraschen. Ich kann mit fast allem, was da aus der Erde spriesst, etwas Tolles machen.

 

Egal, wo auf dem Spektrum du dich siehst, egal, ob du eher Architekt oder Gärtner bist, Bücherschreiben ist ein Abenteuer, das uns manchmal in ungeahnte Gefilde führt. Plotlos ins Abenteuer zu gehen ist auf jeden Fall ein Erlebnis, das du einmal ausprobieren solltest.

Der Spaßfaktor

Ohne Plot ein Buch zu beginnen kann vor allem eines machen: Unglaublich viel Spaß. Man kann seiner Fantasie und vor allem der Gedankenblitze, die «unterwegs» auftauchen, freien Lauf lassen. Es kann sehr befreien sein, einmal einfach drauflos zu schreiben und sich selbst überraschen zu lassen, wohin die Reise geht und wo man am Ende landen wird.

 

Eine gute Gelegenheit, das plotlose Schreiben – oder das Spaßprojekt, wie ich es gern nenne – zu entdecken und auszukundschaften, ist der NaNoWriMo im November. Während des ganzen Monats schreibt man jeden Tag 1667 Wörter, das Ziel ist 50'000 Wörter am 30. November geschafft zu haben.

Warum bietet sich nun gerade ein Spaßprojekt ohne Plot so gut an dafür? Weil du nicht ständig aufpassen musst, dass du vom Plot, von deinem Plan abweichst und es vor allem gar nicht schlimm ist, wenn du dich in einer völlig verrückten Ecke verlierst. Zudem ist es eine gute Gelegenheit, den inneren Lektor abzuschalten, denn Spaßprojekte erheben keinen Anspruch darauf, perfekt sein zu müssen.

 

Ich gebe mal ein Beispiel von mir: Mein aktuelles Romanprojekt «Alfie» (Arbeitstitel) ist so ein Spaßprojekt aus dem NaNoWriMo 2015. Als ich damals die ersten Sätze tippte, wusste ich nur, dass ich über einen Kopfgeldjäger namens Alfie und einen Schwarzmagier namens Nico, der in einen Kater verwandelt worden ist, schreiben wollte. Ich hatte einen kurzen Pitch, der aus wenigen Sätzen bestand und sozusagen die Ausgangslage war. Der Spaßfaktor war enorm und ich habe selten so viel vor mich hin gelacht, während ich die Dialoge der beiden geschrieben habe. Zudem war das Glücksgefühl enorm, als ich dann tatsächlich Ende November das Wort «Ende» drunter setzen konnte.

Der Arbeitsfaktor

Einer der großen Nachteile gegenüber dem Plotten ist ganz klar das Überarbeiten. Wenn man nämlich keinen Plot hat, kann es sehr gerne passieren, dass man Logikfehler drin hat, den roten Faden verloren hat oder einfach nur ziemlichen Stuss geschrieben hat. Das sollte man auf keinen Fall unterschätzen, weswegen ich das hier auch nicht zu beschönigen versuche.

 

Überarbeiten ist harte Arbeit. Wenn man dann zusätzlich noch fast ohne Plan geschrieben hat, kann das Überarbeiten zu einem schier unbezwingbaren Monster werden. Aktuell stecke ich selbst mitten drin bei «Alfie» und habe bereits etliche Szenen komplett neu geschrieben oder gleich rausgeworfen. Weil bereits Verlagsinteresse da ist, arbeite ich besonders konzentriert an der Überarbeitung. Trotzdem sehe ich, dass ich eine runde Geschichte geschrieben habe, die Anfang, Wendepunkte, Höhepunkt, finaler Bossgegner und Ende hat. Es macht Spaß, immer noch, und es bestätigt mich darin, dass auch aus einem Spaßprojekt ohne Sinn und Plot etwas ziemlich Tolles werden kann.  

Lass die Kreativität fließen

Auch wenn du dich jetzt eher in der Sparte Superplotter siehst und nicht ohne detaillierten Szenenplan loslegen kannst, lege ich dir ans Herz, das plotlose Schreiben wenigstens einmal zum Spaß auszuprobieren. Es muss nicht gleich ein ganzer Roman sein. Eine Kurzgeschichte oder ein Writing Prompt tut es auch.

 

Einfach draufloszuschreiben kann sehr befreiend sein. Ich kenne das von mir selbst sehr gut. Mein innerer Lektor meckert zeitweise bei jedem Satz und ich komme einfach nicht voran, was unglaublich frustrierend ist (vor allem, wenn ich Deadlines habe). Deswegen liebe ich meine Spaßprojekte im November so sehr, denn die darf ich einfach schreiben, ohne dabei auf Abgabetermine, Vorgaben, Plot oder Sonstiges achten zu müssen. Ich kann meinen Kopf komplett abstellen und meine Kreativität frei fließen lassen. Das tut unglaublich gut und gibt mir neue Kraft für meine Serien.

 

Gehörst du eher zu den Planern oder den Drauflosschreiber? Oder irgendwas dazwischen, so wie ich? Oder weißt du es vielleicht noch gar nicht? Herausfinden kannst du das nur, in dem du dich an den verschiedenen Plotmethoden wie auch dem Bauchschreiben ausprobierst. Wie schon gesagt, es muss nicht gleich ein ganzer Roman dabei rausschauen.

Vielleicht versuchst du dich ja im November während des NaNoWriMo an einem eigenen Spaßprojekt. :D    

Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg!

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