Schreibblockade, aaaah! Was du dagegen machen kannst und warum sie manchmal gar nicht mal so schlecht ist

Herzlich Willkommen zum Schreibtipp Freitag! Schön, bist du wieder mit dabei.

Falls du den letzten Schreibtipp verpasst hast, findest du ihn hier.

 

Diese Woche geht es um die gefürchtete Schreibblockade. Ich habe sie selbst schon sehr oft erlebt und kann dir bestätigen: Du bist nicht alleine. Und es gibt Möglichkeiten, dich aus dieser Blockade zu befreien.

Die Auslöser

Oft kommt sie aus dem Nichts und völlig unerwartet. Vielleicht hast du gerade einige Wochen lang super kreativ im Flow geschrieben, dein Projekt macht dir Freude und du kommst eigentlich gut voran. Und dann von einem Tag auf den nächsten geht einfach gar nichts mehr. Du starrst auf den blinkenden Cursor auf dem PC und weißt einfach nicht, wie du den nächsten Satz schreiben sollst. Jedes Wort fühlt sich falsch an und ach, das ganze Buch ist eigentlich kompletter Mist und für die Tonne.

 

Woher kommt das? Warum passiert es oft genau dann, wenn man es am wenigsten brauchen kann? Was haben wir falsch gemacht?

 

Erst mal vorneweg: Nein, falsch gemacht haben wir selbst vermutlich nichts. Es sei denn, du hast deinen PC oder Laptop  aus Versehen aus dem Fenster geworfen und kein Backup gemacht – das ist dämlich, echt.

 

Schreibblockaden haben so viele Auslöser und Ursachen wie es Autoren gibt. Es gibt nicht die eine Blockade und deswegen leider auch nicht die eine Lösung.

Ein Auslöser kann sein, dass du ein fettes Plotloch entdeckt hast und nicht mehr weiterkommst. Vielleicht hast du auch gerade dein erstes Manuskript an einen Verlag geschickt – dein Herzensprojekt, wohlgemerkt – und kannst dich monatelang nicht auf etwas Neues konzentrieren, weil du auf eine Antwort wartest. Oder du fühlst dich nach dem NaNoWriMo einfach leergeschrieben und legst eine Pause ein – und dann, wenn du wieder weiterschreiben willst, geht einfach nichts mehr. Oder du hast eine schlechte Rezension bekommen, dein Buch wurde von jemandem verrissen und du zweifelst an dir und deinem Können, würdest am liebsten alles hinschmeißen, weil du ja sowieso nur Müll schreibst.    

Die Angst vor dem Scheitern

Bei mir kommen oft Blockaden, wenn ich kurz davor bin ein Manuskript zu beenden. Eigentlich weiß ich genau, wie das Finale aussehen soll, wie viel ich ungefähr noch schreiben muss und oft sehe ich diese Szenen bereits als Film in meinem Kopf. Und trotzdem geht von einem Satz zum nächsten einfach nichts mehr. Torschusspanik*. Gebt mir mehr Whisky.

 

Ich habe lange darüber nachgedacht, woran das liegt. Es passiert wirklich jedes verd*** Mal. Es kann doch nicht sein, dass immer wieder kurz vor dem ersehnten Ende auf einmal nichts mehr geht! Ich weiß genau, wohin es gehen muss – und trotzdem starre ich tagelang den blinkenden Cursor an.

 

Vermutlich ist es eine unterschwellige Angst, dass ich trotz all der Erfahrung, die ich mittlerweile habe, das Ding in den Sand setze, dass der nächste Band wirklich Mist ist und mir alle Leser abspringen. Eigentlich völlig irrationale Gedanken. Trotzdem sind sie da und ich muss jedes Mal von Neuem dagegen ankämpfen, damit ich nicht in einer ausgewachsenen Schreibblockade ende.

 

Die Angst vor dem Scheitern – oder anders gesagt, die Angst vor dem möglichen Erfolg, denn es passiert mir wirklich jedes Mal kurz vor dem Abschluss – ist im Grunde keine schlechte Angst. Sie zeigt mir und uns allen auf, dass wir kurz davorstehen, einen Schritt aus unserer Komfortzone heraus zu machen. Die Komfortzone zeigt sich auf verschiedene Arten – hier ist sie eben die Geschichte, die wir gerade schreiben. Sie zu beenden bedeutet, etwas, das wir liebgewonnen haben, hinter uns zu lassen. Abschiede sind immer schwer, also zögern wir diesen Abschied so lange wie möglich heraus.

 

*Torschusspanik wie ein Fußballspieler, der auf das Tor zu rennt, den Ball gekonnt dribbelt und dann kurz vor dem Torschuss zu zweifeln beginnt, strauchelt und auf die Schnauze fällt.

Warum eine Blockade manchmal gar nicht so schlecht ist

Eine Schreibblockade ist in vielen Fällen auch ein deutliches Zeichen unseres Unterbewusstseins, dass mit dem Buch, das wir gerade schreiben, irgendetwas nicht stimmt. Das können Logikfehler sein oder Figuren, die einfach nicht so wollen, wie wir es gerne hätten. Dann heißt es, dass wir uns dringend Gedanken darüber machen müssen, was genau nicht stimmt. Noch einmal über die Notizen gehen, uns den Plot ansehen, die Motivation und die Ziele unseres Casts unter die Lupe nehmen und vielleicht sogar einige Kapitel streichen.

 

Das ist harte Arbeit und kann weh tun, so viel ist klar. Aber es ist keine schlechte Arbeit, denn wir wollen schließlich, dass wir ein verdammt gutes Buch schreiben können. Daher können Blockaden auch ganz nützlich sein, weil sie uns frühzeitig warnen. Stell dir nur vor, du steckst bereits mitten im Verlagslektorat und dann kommt vom Lektor der Kommentar, dass du die Mitte komplett umschreiben musst, weil sie nicht funktioniert. Scheiße, genau.

 

Also bevor du die Schreibblockade grundsätzlich verteufelst und dich in Selbstzweifel stürzt, überlege dir einmal genau, was der Auslöser dafür sein könnte – und mach dich an die Arbeit.

Wege aus der Blockade

Jeder Autor entwickelt mit der Zeit seine eigenen Rezepte, um wieder zum Schreiben zu finden. Einige Wochen komplett alles, was mit dem Schreiben zu tun hat, ruhen lassen zum Beispiel. Das funktioniert allerdings nur, wenn du keine Deadlines hast und bis Ende Monat das Manuskript beim Verlag abgegeben haben musst.

 

Ich selbst mache einen oder zwei Tage Pause (denn ich habe Deadlines), während denen ich mich auf die Couch schmeiße und Serien schaue oder nach draußen in die Natur gehe. Einfach für ein paar Stunden den Kopf komplett abschalten und mich berieseln lassen. Oft kommen mir dann von selbst neue Ideen oder Lösungen, wie ich die Probleme im Buch angehen kann. Wenn ich an der Nordsee bin, buddle ich auch gerne ein paar Tage lang im Garten oder tobe mit dem Hund herum (okay, das tue ich sowieso).

 

Eine gute Variante ist auch, kleine Writing Prompts zu schreiben. Das sind Minigeschichten auf Basis eines zufällig ausgewählten Bildes. Dafür kannst du zum Beispiel auf Shutterstock gehen, gibst in der Suche ein Stichwort ein («Fantasy Landschaft» oder was dir grad einfällt), gehst auf die fünfte Seite und nimmst dort das zwölfte Foto. Darüber schreibst du nun 1-2 Seiten, was dir grad dazu einfällt.

Oder du suchst dir eine Ausschreibung von einem Kleinverlag mit einem Thema, das dich anspricht, und schreibst dazu eine Kurzgeschichte.

 

Manche Autoren gehen auch zum Sport, lesen vermehrt oder stürzen sich in den Frühjahrsputz. Das klingt auf den ersten Blick zwar wie Prokrastination, aber gerade während einer Blockade kann dieses sich ablenken dazu beitragen, dass deine Gedanken frei werden und dir dein Unterbewusstsein wie von selbst bei der Lösung des Problems helfen kann.    

Vorsicht vor den Selbstzweifeln

Mir liegt sehr am Herzen, dass dir eines bewusst ist: Eine Schreibblockade zu haben bedeutet nicht, dass du eine schlechte Autorin bist und zu nichts taugst. Schreib dir das mit einem dicken Edding auf und häng es dir über den Schreibtisch, wo du es immer siehst. Lass dir das auch von niemandem einreden, weder von dir selbst noch von anderen.

 

Selbstzweifel sind scheiße und können einen richtig tief runterziehen. Ich rede da aus Erfahrung. Aber Selbstzweifel lügen uns eigentlich nur an. Es ist wichtig, dass du lernst, diese Stimmen, die dir einreden wollen, das Buch am besten in den Müll zu schmeißen und das Schreiben ganz aufzugeben, weil du ja solch eine Niete bist, zum Schweigen zu bringen. Das braucht Übung und ist definitiv ein Kampf, den man immer wieder aufs Neue ausfechten muss. Aber wenn du nicht in einem Teufelskreislauf und so enden willst, wie es mir einmal passiert ist – nämlich heulend unter der Bettdecke und jahrelangem Nichtschreiben -, dann musst du dagegen ankämpfen.

 

Und der Kampf lohnt sich, versprochen. Auch da spreche ich aus Erfahrung.

 

 

 

Was ist dein Rezept aus der Schreibblockade? Lass es mich wissen und schreib mir, entweder hier als Kommentar oder auf meiner Facebookseite