Der innere Lektor - Die Spaßbremse

Herzlich Willkommen zum Schreibtipp Freitag! Schön, bist du wieder mit dabei.

Falls du den letzten Schreibtipp verpasst hast, findest du ihn hier.

 

Heute möchte ich über den inneren Lektor sprechen. Ich glaube, du weißt, wen ich meine. Diese nörgelnde Stimme im Hinterkopf, die sofort zu meckern beginnt, sobald wir uns an unser Manuskript setzen. «Dieser Satz ist scheiße. Willst du das wirklich so schreiben? Das Wort passt nicht. Die Figur redet aber ganz anders. Woher willst du wissen, wie schwer eine Rüstung ist? Hast du schon mal eine getragen?»

Ja, genau. Diese Stimme.

Unser Perfektionismus ist schuld

Viele von uns sind eingefleischte Perfektionisten. Wir wollen, dass das Manuskript von Anfang an ein Knaller wird. Jeder Satz muss passen, der Stil muss sitzen und vor allem wollen wir, dass alles perfekt ist. Perfekt ist aber so eine Sache. Perfekt ist Ansichtssache. Jeder versteht etwas anderes unter einem perfekten Buch. Natürlich würde auch ich heute gerne meine ersten veröffentlichten Bücher komplett neu schreiben und überhaupt. Aber das geht nicht und es ist so, wie es ist. Damit muss ich leben und das ist okay so.

 

Es gibt den gesunden Perfektionismus und den ungesunden. Zu ersterem gehören der Ehrgeiz und der Wille, Neues zu lernen und das Handwerk zu verbessern, damit wir das nötige Rüstzeug haben, um ein möglichst perfektes Buch zu schreiben.

Zu letzterem gehört der innere Lektor, der einem von Anfang an oder irgendwann mitten im Manuskript den Spaß verdirbt. Er nörgelt an allem herum, wir fallen in Selbstzweifel und geraten im schlimmsten Fall in eine Schreibblockade. Das ist mehr als kontraproduktiv und wirklich nicht so, wie wir uns das Leben als Autor vorgestellt haben.

Den Fiesling abschalten

Der innere Lektor ist ein Fiesling, der gegen uns arbeitet. Er will nicht, dass wir unser Projekt, unser Herzensbuch, jemals fertig schreiben und schon gar nicht, dass wir uns selbst als Autor wertschätzen können.

 

Doch wie schaltet man diese innere Stimme nun ab? Drei Dinge solltest du dir klarmachen:

 

Eine Rohfassung, also die erste Fassung deines Buches, ist, was sie ist – roh. Unbearbeitet. Sie erfüllt nur einen einzigen Zweck, nämlich den, dass du deine Geschichte erzählst. Hier kommt es nicht drauf an, wie gut dein Stil ist, wie viele Tippfehler du drin hast oder ob die Sätze perfekt sind. Das kommt erst später.

 

Geh das Schreiben lockerer an. Ich weiß, klingt für dich jetzt vielleicht einfach so dahingesagt. Sich locker machen ist aber wichtig, denn sonst versteift und verbeisst man sich so sehr in sein Manuskript, dass der innere Lektor leichtes Spiel hat. Schreiben soll in allererster Linie Spaß machen. Es ist kein Wettkampf und dein Leben hängt auch nicht davon ab. Also atme ein paar Mal tief durch, zeig dem Fiesling den Mittelfinger und fang an zu schreiben.

 

Sag dem inneren Lektor deutlich Nein, sobald er mit dem Nörgeln anfängt. Das ist dein Manuskript, nicht seins. Du schreibst die Geschichte, nicht er. Und dir kann erstmal egal sein, ob das Zeug, was du zu Papier bringst, toll klingt oder den perfekten Stil hat. Nachbessern und aufhübschen kann man später immer. Aber es ist für dich selbst wichtig, dass du die Rohfassung erst einmal schreiben kannst.    

Ein Buch ist nie perfekt

Das musste ich auch erst mühsam lernen. Ein Buch ist nie perfekt, in meinen Augen schon gar nicht. Aber irgendwann musst du loslassen und es für beendet erklären.

Ich kenne unzählige Autoren, die ihr Buch bereits zehn-, fünfzehnmal oder gar noch mehr überarbeitet haben und immer noch nicht zufrieden sind damit. Das ist verrückt. Es hilft weder dir noch deinem Buch, wenn du zum hundertsten Mal das erste Kapitel neu schreibst. Wird es dadurch wirklich besser? Oder fütterst du nur deinen inneren Lektor, den fiesen Perfektionisten?

Eines ist jedenfalls klar: Wenn du x-mal den Anfang neu schreibst, wirst du nie bis zum Ende kommen.

 

Wenn du sagen kannst, du bist zu 90% zufrieden mit deinem Manuskript, dann ist das super. So kann es zum Verlag und weiter ins Lektorat. Das vergisst man nämlich gerne. Während des Lektorats wird dein Buch noch einmal aufpoliert und du darfst noch einmal oder zweimal ran. Aber wie gesagt, irgendwann musst du loslassen und dich damit anfreunden, dass es nie 100% perfekt sein wird.

 

Perfektion ist so subjektiv, dass jeder etwas anderes für perfekt hält. Keine zwei Leser denken das gleiche über dein Buch. Und die Leser werden eh nie mitkriegen, ob du dein Buch nun für perfekt oder eben «nur» okay hältst. Das wichtigste ist, dass du das Ding zu Ende bringst und auch mal Nein sagen kannst.    

Ein bisschen Spaß muss sein

Sobald dir das Schreiben keine Freude mehr bereitet, weil du an deinem Können zweifelst und glaubst, keinen Satz mehr richtig schreiben zu können, dann hat dein innerer Lektor die Überhand. Er ist die Spaßbremse schlechthin.

 

Ich selbst kämpfe immer noch gegen ihn, mal stärker, mal weniger stark. Aber ich habe einige gute Wege gefunden, ihn zum Schweigen zu bringen. Ich gehe heute viel entspannter an ein neues Manuskript heran, als noch vor ein paar Jahren und vor allem lasse ich mir den Spaß am Schreiben nicht mehr verderben.

Wie ich das gelernt habe? Durch den NaNoWriMo und das plotlose Schreiben. Der NaNo ist die perfekte Gelegenheit dazu, denn er ist vor allem eine Challenge gegen dich selber – schaffe ich es, innerhalb von 30 Tagen 50.000 Wörter zu schreiben? Das plotlose Schreiben ist zudem äußerst praktisch, denn du musst dich nicht an einen vorgegebenen Plan halten und kannst deiner Kreativität freien Lauf lassen. Der innere Lektor hat hier gar nichts zu melden.

 

Es wird nicht einfach für dich werden, wenn du zu denjenigen Autoren gehörst, die gerne alles fünfmal überdenken und an einem Satz rumschrauben, bis sich die Wörter nur noch komisch anfühlen. Es ist harte Arbeit an dir selbst, aber es ist machbar und vor allem lernbar. Vielleicht nicht von heute auf morgen, aber wenn du dranbleibst und deinem inneren Lektor fleißig den Mittelfinger zeigst, dann bist du auf dem richtigen Weg.    

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

Falls du Feedback oder Fragen zu diesem Artikel hast, darfst du mir gerne eine Nachricht auf meine Pinnwand auf Facebook schreiben oder hinterlasse mir unten einen Kommentar. Ich werde deine Fragen so gut es geht beantworten. Auch von deinen Erfolgen will ich hören, also keine Scheu. Schrieb mir! Ich freue mich darauf.