Interwiev mit der Autorin Tanja Rast

Herzlich Willkommen zum Schreibtipp Freitag! Schön, bist du wieder mit dabei.

Falls du den letzten Schreibtipp verpasst hast, findest du ihn hier.

 

Diese Woche habe ich die Phantastik Aurotin Tanja Rast bei mir zu Gast. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren und ich liebe nicht nur ihre Bücher, sondern auch ihre absolut herzlichen, knochenbrechenden Umarmungen.

Tanja über sich selbst:

 

Geboren 1968 als echte Kieler Sprotte im nördlichsten Bundesland, wohne ich mit vielen Tieren auf dem Land. Katzen, Hunde und Pferde beeinflussen Leben, Alltag und natürlich das Schreiben.

 

Nach zahlreichen Geschichten, die ich rückblickend als „Versuche, das Schreiben zu lernen“ bezeichne, habe ich neben meinen bisherigen und zukünftigen Verlagsveröffentlichungen das Abenteuer Selfpublishing für mich entdeckt.

 

Ich schreibe Fantasy in allen möglichen Richtungen: Urban, Geistergeschichten, Gay Romance und Heroic Romance („Schmachten & Schlachten“, wie ich dieses Subgenre mit einem Augenzwinkern nenne) und noch viel mehr.

Tanja findet ihr überall hier online:

Homepage, Facebook, Twitter, Goodreads und ihre Autorenseite auf Amazon

Liebe Tanja, vielen Dank, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Diese Frage stelle ich jeder/m AutorIn gleich zu Beginn: Was macht für dich einen guten Schriftsteller aus?

 

Es gibt so viele Arten von Schriftstellern. Jene, die wie ein Kind an Heiligabend vorfreudig in ihre Geschichte hopsen und mit strahlenden Augen davon erzählen. Die mit ihren Figuren leiden, lachen (und mitunter auch über sie – ich mach das dauernd), die beim Schreiben zwischen Tippen und Nägelkauen schwanken, weil die Geschichte sie so mitreißt und sie auf die nächste Szene fiebern. Oder jene, die mit einzelheitenreicher Planung und sehr überlegt an ihre Geschichten gehen, die jeden Satz auf die Goldwaage legen und Szenen wenn nötig an andere Stellen legen, damit die Geschichte rund wird. Und zwischen diesen Extremen gibt es zahllose Schattierungen und ganz gewiss auch noch ganz andere Möglichkeiten, ein Schriftsteller zu sein. Ich bewundere jene, die – ohne negative Konnotation – wie am Fließband Geschichten schreiben ebenso wie jene, die mitunter Jahre für einen Roman benötigen. Weil sie für ihre Figuren brennen und den Drang verspüren, Geschichten zu erzählen, die aus ihrem Inneren aufsteigen und auf Papier gebannt werden wollen, die den Spaß, die Begeisterung und Leidenschaft (das oft erwähnte Herzblut) beim Schreiben und die Befriedigung über eine tolle Geschichte verspüren. Im Prinzip sind wir allesamt Märchenerzähler oder Skalden oder Barden.

 

Einen Aspekt muss ich aber noch einbringen, der mir schon mal den Vorwurf der Hochnäsigkeit eingebracht hat: Für mich wird ein guter Schriftsteller auch durch die Beherrschung des grundsätzlichen Handwerks bedingt. Damit meine ich nicht Spannungsbogen, Weltenbau, Drei-Akt oder Plotmethode, sondern wirklich die Basis des Schreibens: Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ich bin der Meinung, dass ein Schriftsteller sich in der Sprache, mit der er die Geschichten erzählt, auch auskennen sollte. Niemand muss die Namen aller Nebensatzarten herunterrattern können, aber ein Schriftsteller sollte einen Nebensatz erkennen, wenn der ihn mit großen Kulleraugen ansieht. Nicht gemeint sind die üblichen Tippfehlerchen, die jedem von uns passieren, das freche kleine Komma, das kichernd an die falsche Stelle wuselt oder sich im Setzkasten versteckt. Und schon gar nicht sind Legastheniker damit gemeint. Aber (wäre nicht ich, wenn ich kein Aber aus dem Ärmel schütteln würde) ich meine damit auch öffentliche Äußerungen auf Social Media. Groß- und Kleinschreibung halte ich auch da für unerlässlich, und auf liebloses Smartphonegestammel ohne Kontrollblick reagiere ich mittlerweile gereizt. Das hat für mich auch mit Respekt gegenüber LeserInnen und natürlich den Geschichten selbst zu tun. Die schönste Idee leidet unter Kraut-und-Rüben-Schreiben.   

Viele Autoren sagen, dass sie schon sehr früh mit dem Geschichtenspinnen und Schreiben angefangen haben. Wie war das bei dir? Gab es ein bestimmtes Ereignis, das Auslöser dafür war?

 

Jojo und die Seife. War das kryptisch? Wunderbar. Jojo war eine eigensinnige Dackeldame und der Liebling der Familie. In der Grundschule war am Montag immer Erzählstunde angesagt. Spannende Geschichten vom Wochenende, ob jemand einen Ausflug gemacht hat, am Strand gewesen war, einen Schneemann gebaut hat. In meinen Berichten kam Jojo immer vor, und irgendwann – ich weiß gar nicht, wie das geschehen konnte – hatte sie ein Stück Seife, auf dem sie herumkaute und es immer so liegen ließ, das jemand darauf ausrutschte. Vielleicht war ich nur ein Klassenclown, aber irgendwann verging kein Montag, ohne dass ich eine Geschichte von Jojo und ihrer Seife erzählen musste. Märchenerzählerin, Skaldin oder Dackelfan?

Ideen sind Flauschfussel

Du hast schon sehr viele Bücher geschrieben. Wie sieht dein Prozess aus, wenn du ein neues Buch beginnst? Hat dieser Prozess sich im Laufe der Jahre verändert?

 

Wenn eine Idee sich bei mir anmeldet – ich behaupte, sie sind klein und flauschig, brabbeln aufgeregt, was sie mir da anschleppen und platzen vor Wichtigkeit, während sie Kekse futtern –, mache ich erst einmal gar nichts mit ihr. Ich schreibe sie nicht auf, ich mache mir keinerlei Notizen. Ich warte ab, genieße Kopfkino einzelner Szenen und Dialoge. Ich gebe der Idee Zeit zum Reifen. Das ist ein Teil meines Prozesses, denn ein Inspirationsfunken, der mich nicht über einige Tage oder gar Wochen fesseln kann, der nicht quasi eigenständig wächst, trägt mich nicht durch einen Roman.

 

Oft schleppt das kleine Flauschfussel nur eine einzige Szene, manchmal nur einen Satz oder einen Konflikt an. Ich warte dann das Wachstum ab, bis die Geschichte mich an der Gurgel packt und „Schreib mich!“ brüllt. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, Namen, erste Details festzuhalten, vielleicht den Konflikt in mein Romanbegleiter genanntes Notizbuch einzutragen.

 

Dieses Buch ist meine größte Veränderung, seitdem ich schreibe. Ich halte hier Übersichten fest, Beschreibungen, Namen (Ich neige leider dazu, Nebenfiguren immer mal wieder umzutaufen. Nichts Großes, aber hier ein Buchstabe, da ein Buchstabe.) und notiere während des Schreibens Kapitelnamen, kurze Zusammenfassungen und Normseitenzahlen.

Die zweite große Veränderung, seitdem ich mich auf das Abenteuer Selfpublishing eingelassen habe, besteht darin, dass ich mit dem Klappentext anfange – zumindest mit einem ersten Grobentwurf, der während des Schreibens mitunter auch mehrfach angepasst wird. Er ist nicht in Stein gemeißelt, hilft mir aber bei der Grundstimmung.

 

Und dann lege ich los. Ich schreibe in Normseiten, alle nicht druckbaren Zeichen eingeblendet, weil ich so gleich sehen kann, wenn da ein Leerzeichen zu viel ist. Auch die Rechtschreibprüfung ist dauerhaft aktiviert. Alles, was ich nicht in späteren Überarbeitungsrunden ausmerzen muss, ist mir willkommen, weil ich so überarbeitungsfaul bin.

 

Dann fange ich einfach an. Kapitel 1 (meistens habe ich den Kapitelnamen sofort parat, manchmal steht eben nur die Zahl da) und schreibe mich von Anfang bis Ende durch. Ich habe zwei wundervolle Livetickerleserinnen, die jeden Morgen auf ihr Häppchen Geschichte lauern. Ihre bloße Anwesenheit beflügelt mich, und falls ich mich in der Geschichte verirre, merken sie das gleich und geben Bescheid. Das vermittelt mir ein Gefühl der Sicherheit, sodass ich mich einfach in meine Geschichte plumpsen lassen und meinen Helden hinterherrennen kann.

 

Ich bin ein relativer Bauchschreiber. Bis auf mein szenenweises Kopfkino plotte ich nicht nennenswert – und schon gar nicht schriftlich oder mit irgendwelchen Tools. Das würde die Geschichte für mich entzaubern. Und wozu etwas schreiben, was ich schon in allen Einzelheiten kenne? So starte ich mit meinen Hauptfiguren, dem wichtigsten Konflikt und dem Wissen, wie das Buch ausgehen wird. Alles andere entdecke ich begeistert und mit viel Spaß unterwegs.    

Wie sieht ein gewöhnlicher Schreibtag bei dir aus? Hast du feste Schreibzeiten?

 

Ich wünschte, ich hätte eine feste Schreibroutine. Obwohl … nein, lieber doch nicht. Selbst jetzt, da ich mich in gewisser Weise ja professionalisiert habe und mir eigene Deadlines setze (setzen muss), ist Schreiben für mich immer noch Spaß und eine Auszeit, und so möchte ich es auch beibehalten.

 

Mir kommt zugute, dass ich ein Feigling bin. Es war immer meine größte Furcht, womöglich mal etwas richtig Tolles zu veröffentlichen, was von LeserInnenseite ein lautes „Mehr!“ verursacht, und dann ohne Ideen, Helden und Inspiration dazustehen. Ich habe also Vorrat. Einen Puffer, sodass ich mir auch Zeit lassen kann, um Ideen reifen zu lassen und möglicherweise auch mal einen Tag schreibfrei zu verbringen. Derzeit schreibe ich an einem Roman für die Reihe „Der Magie verfallen“, der im April 2019 erscheinen wird. Das nimmt mir den Druck, auf Knopfdruck liefern zu müssen. Da spricht wieder der Feigling: Ich hätte Angst, dass mich das blockieren würde.

 

Was ich allerdings mache, um organisiert zu erschienen: Marienkäferbattle! Gemeinsam mit zwei Autorenfreundinnen machen wir das nun schon das zweite Jahr. Am Anfang des Monats sucht jede von uns sich drei Punkte, die dran sind. Für mich sind das im Mai die Überarbeitung nach Betakommentaren für „Elfenwolf“ (erscheint Januar 2019, ist also wieder Puffer), 5000 niedliche Wörter schreiben (ich setze die Schreibziele gerne niedriger an, dann beflügelt es mich, wenn ich dieses Zielchen deutlich überschreite) und die Druckfahnen für „Juran“ (erscheint August 2018, dann fehlt für den Roman nur noch der E-Book-Satz, wieder etwas auf Vorrat). Das Setzen von Prioritäten und der Blick auf das Wesentliche helfen mir. Ich weiß, dass mir dann nichts mehr überraschend in den Rücken fallen kann.    

Jeder Roman ist für mich ein Abenteuer

Wie fühlt sich das Bücherschreiben für dich an?

 

Wundervoll.

 

Immer noch, obwohl ich weiß, dass LeserInnen auf das nächste Buch warten, schreibe ich grundsätzlich erst einmal nur für mich. Ich lache mit meinen Helden (und natürlich auch über sie), ich leide mit ihnen und fiebere dem Happy End entgegen. Ich vergleiche meine Art des Schreibens gerne mit einem Kameramann, der mit SteadyCam auf der Schulter und dick in Schutzkleidung samt Helm verpackt quasi am Helden klebt, um alles mitzukriegen. Er wird auch mal schmutzig und fällt ganz bestimmt auch mal hin. Und wenn die Helden einen Berg hinaufklettern, folgt er schnaufend und atemlos mit der schweren Kamera und seiner Panzerung und gibt sich verzweifelt Mühe, nicht den Anschluss zu verlieren.

 

Jeder Roman ist für mich ein Abenteuer, das ich hautnah erleben darf. So egoistisch ich während des Schreibens auf meinen eigenen Spaß bedacht bin, freue ich mich, wenn ich auch nur einen einzigen Menschen außer mir selbst erreiche, der diesen Spaß ebenfalls erlebt und seine Freude daran hat. Dann habe ich etwas richtig gemacht. Dazu gehören auch meine Betaleserinnen. Glanzlicht der Überarbeitung ist für mich jedes Mal, wenn zwei oder drei von ihnen unabhängig voneinander die selbe Stelle der Geschichte mit ähnlichen Kommentaren versehen, wenn sie über die Dummheit meines Helden lästern, die Gemeinheit des Gegenspielers verfluchen oder einfach nur über eine gelungene Formulierung lachen.

 

Meine Geschichten sind figurengesteuert. Ich wähle mein Heldenpaar (nicht nur in den Gay Romances, auch meine Heroic Romances haben Heldenpaare, die zu einem Team werden, das nur mit vereinten Kräften den Roman überleben kann) liebevoll aus, freue mich an ihren Eigenheiten, Schwächen und Stärken, und dann rolle ich ihnen so viele Hindernisse wie möglich in den Weg. Dabei sind die Figuren für mich keine Pappaufsteller, sondern nicht beliebig austauschbar. Nur Jiras konnte das Manöver mit der apfelgrünen Seide durchziehen, nur Cajan die Hängebrücke überqueren, nur Griv Talon retten und nur Roveon sich mit einer zornbebenden Heiligen anlegen.

 

Während eine Idee heranreift und auch während des Schreibens selbst plappere ich zu gerne über meine Geschichten, über Wendungen, Hindernisse, über Liebe und all meine Gemeinheiten. Dabei erhalte ich direkte Rückmeldungen, wie etwas ankommt und ob es funktioniert. So habe ich bei manchen Szenen drei oder mehr Variationen im Kopf, die sich oftmals nur minimal unterscheiden, und diese Plapperergebnisse helfen bei der Entscheidung, welcher Weg der beste ist.    

Du arbeitest mit verschiedenen Verlagen zusammen und bist seit 2017 auch als Selfpublisherin unterwegs - eine Hybrid-Autorin. Was reizt dich am Selfpublishing? Worin liegen für dich die Vor- und Nachteile gegenüber dem klassischen Weg über einen Verlag?

 

Selfpublishing ist schneller, direkter, persönlicher.

 

Ich schreibe viel, und ich habe noch mehr einsatzbereit in der Schublade liegen. Im Selfpublishing bestimme alleine ich über meine Taktung, mit der ich veröffentliche. Mehr Freiheit in Inhalt und Gestaltung würde ich nicht als alleinige Eigenheit des Selfpublishing bezeichnen. Auch bei den „meinen“ Verlagen hatte ich immer Mitspracherecht bei Cover und Co, und ich schreibe aus Grundsatz nur die Geschichten, auf die ich richtig Lust habe.

 

Als Selfpublisherin habe ich die gesamte Entscheidungshoheit, was ich besonders beim Lektorat sehr schätze. Ich habe bislang mit vielen kleinen Verlagen zusammengearbeitet – und werde das auch in Zukunft tun, weil ich Freunde gewonnen habe, weil ich immer noch etwas Neues lerne (ich lerne verflixt gerne, Stillstand und Zufriedenheit mit dem bislang Angesammelten würde mich sehr schnell sehr unglücklich machen), weil es mir neue Blickwinkel auf mich und meine Texte ermöglicht, aus denen ich neue Kraft und Inspiration ziehe.

 

Das einmal ganz grundsätzlich vorweg, jetzt kommen – so sachlich als möglich – die Vor- und Nachteile:

 

Ein Verlag, auch ein kleiner, hat mehr Reichweite als ich, ist auf Messen präsent (gut, dank Die Uferlosen öffnet sich diese Tür auch für mich als Selfpublisherin), kümmert sich für mich um Lektorat, Cover, Marketing, Distributoren.

 

Aber ich muss halt auch auf eine Lücke warten, denn ich bin nicht die Einzige, deren Bücher dort verlegt werden. Niemand hat unbegrenzt Zeit, Kraft und Geld, um Geschichten zu veröffentlichen, viele Kleinverleger mach dies auch noch neben dem Brotjob und müssen mit ihren Kräften und Programmplätzchen haushalten. Das sollen sie auch! Ich mag meine VerlegerInnen, und ich wünsche ihnen noch viel, viel Durchhaltevermögen und viele, viele Jahre Verlagsbetrieb. Ich freue mich, ein Teil davon sein zu können.

 

Gleichzeitig freue ich mich auf so viele Projekte, für die ich den eigenen Weg einschlagen kann, für dich ich auch jetzt erst Mut gefasst habe, dass das etwas wird – und zwar so, wie ich will.    

Wenn du auf deinen bisherigen Werdegang als Autorin zurückblickst, würdest du heute noch einmal dieselben Entscheidungen treffen wie damals? Warum?

 

Bis auf zwei, drei Ausnahmen wie Anthologieausschreibungen, die dann doch nichts wurden, für die ich aber extra eine Geschichte geschrieben habe: Nicht viel. Manchmal muss man sich auch einfach mal die Finger verbrennen, um daran wachsen zu können (während man hektisch die Brandsalbe sucht, laut jammert und auf die Finger pustet).

 

Ich komme dabei auch wieder auf das Lernen zurück. Ich möchte keine meiner Entscheidungen zu Gunsten eines Kleinverlags missen. Zwei von ihnen habe ich quasi von Krippe bis Grab begleitet, Höhen und Tiefen miterlebt und immer auch etwas für mich gelernt. Ich denke und hoffe, dass mich viele Erfahrungen auch stärker gemacht und mir mehr Mut für andere Entscheidungen verliehen haben, damit ich meinen eigenen Weg souveräner gehen kann.

 

In Ingrid Pointecker vom Verlag OhneOhren habe ich eine wundervolle Freundin gefunden, die mir vor allem gezeigt hat, wie viel Freude mir ein Lektorat bereiten kann. Danke, Ingrid, dass Du Dich meiner Reihe „Der Magie verfallen“ immer so liebevoll, humorvoll und kompetent annimmst!

 

Denn Lektorate hatte ich von bis. Kleine Überarbeitungen, bei denen manches übersehen wurde, tiefschürfende Umbauarbeiten, die toll waren, und ein persönliches Lektorat des Grauens mit einer Lektorin, die mit meinem Genre nichts anfangen konnte. Heute würde ich selbstsicherer auftreten und die Zusammenarbeit abbrechen. Damals habe ich mich durchgequält, wirklich gelitten und es irgendwie geschafft. Jetzt weiß ich, dass ich das anders hätte lösen müssen, dass ich besser auf mich achten und auf meine innere Stimme hören muss. Wieder ein Punkt zum Thema Lernen, vielleicht der Wichtigste von allen. Auf sich selbst aufpassen – denn das nimmt einem niemand ab. 

Du bist Mitglied im Autorenkollektiv «Die Uferlosen», das sich mit Gay Fiction quer durch alle Genres beschäftigt. Erzähl uns, wie ihr euch gefunden habt und was ihr genau macht.

 

Wir sind ein Zusammenschluss von derzeit acht AutorInnen, und uns einen zwei Dinge (außer Freundschaft, viel Spaß und Begeisterung): Wir schreiben Gay Fiction, und wir veröffentlichen allesamt im Selfpublishing (mit HybridautorInnen dabei, aber der Schwerpunkt liegt auf unseren in Eigenregie herausgebrachten Geschichten). Die Grundidee, die zum Kollektiv führte, lag genau darin. Jeder wurschtelt vor sich hin, uns allen „fehlt“ (wir haben es ja so gewollt) die PR-Macht eines Verlags in der Hinterhand, da lag es nahe, Kräfte, Talente und Fähigkeiten zu bündeln, um gemeinsam mehr zu erreichen.

 

So sind wir eine bunte Truppe, in der unterschiedliche Talente und Fähigkeiten zusammenkommen, die zur gegenseitigen Unterstützung eingesetzt werden. Mental (jeder braucht mal Streicheleinheiten und ein wenig Mutmachen und Aufmunterung), finanziell (die Kosten für einen Messestand sind bei mehreren TeilnehmerInnen einfach leichter zu schultern) und organisatorisch (wir haben Grafikerinnen an Bord, Tüftler für den Blog, Kaye und Dahlia mit dem Podcast – sehr empfehlenswert übrigens) unterstützen wir uns gegenseitig. Ob es nun um Bekanntmachungen, den Kampf mit Klappentexten, Coverkritik, die DSVGO, Programme und die Website generell geht. Jeder bringt etwas mit, was einem anderen vielleicht fehlt, und so ergänzen wir uns und unterstützen einander. Wir haben noch viel vor, was über den gemeinsamen Blog-, FB- und Twitterauftritt hinaus geht.

 

Einen unser Vorteile mag mancher als Nachteil ansehen: Wir sind eine kleine Gruppe, und falls wir wachsen wollen, suchen wir unsere Kandidaten selbst aus. Initiativbewerbungen bringen also nichts. Wir gucken gemeinsam, wer zu uns passen könnte, und wir wollen nicht zu viele Mitglieder haben, weil unsere Freundschaften, das Vertrauen und der Zusammenhalt uns so wichtig sind.    

Was ist dein bisher größter persönlicher Erfolg?

 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – aber ich kann es meistern.

 

Ich hab ja schon geschrieben, dass ich ein Feigling bin. Neues macht mir auch gerne mal Angst. Man reiche mir mein Word (Ich habe auf Word 5.5 für DOS gelernt, keine Maus!), und ich fühle mich sicher und kann alles, was ich erreichen will. Aber jeder Versionswechsel war ein Grund für Verzweiflung. Sieht ja alles ganz anders aus, und viele meiner aus DOS-Zeiten stammenden Shortcodes gehen nicht mehr. Fürchterlich!

 

So ging es mir bei meinem ersten und beim Umzug auf meinen neuen Blog. Ich benötigte Hilfe (hauptsächlich das Wissen, dass jemand da ist, falls ich nicht weiterkomme). Meine ersten Versuche, ein E-Book zu erstellen, waren gruselig, und nichts sah so aus, wie ich es gerne hätte.

 

Aber: Ich schaffe das. Ich fuchse mich ein. Diese Erkenntnis, dass ich alles meistern kann, was ich benötige, was ich will, mag klein erscheinen, für mich war sie ein Quantensprung.

 

Gibt es in nächster Zeit etwas Neues von dir zu lesen? Und für Leser, die dich und deine Bücher noch nicht kennen: Was empfiehlst du als Einstieg in deine Welt der Heroic Romance («Schmachten und Schlachten»)?

 

Ganz neu ist „Kenna“, mein zweiter im Selfpublishing erschienener Heroic-Romantic-Fantasy-Roman. „Roveon“ ist bereits im Februar erschienen, und dieses Jahr werden noch zwei weitere Heroics das Licht der Öffentlichkeit erblicken: „Juran“ und „Ariz“.

 

Da Roveon ein ziemlich egoistischer Feuermagier ist, würde ich selbstverständlich ihn als Einstieg empfehlen.

 

Auch noch ganz brandneu ist „Meisterdiebe – Der Magie verfallen VII“, in dem es um Elfen, Edelsteine, einen Vulkan und eine stürmische und störrische schwule Liebesgeschichte geht. Oh, und um einen diebisch veranlagten Priester, der keine Ahnung hat, worauf er sich da eigentlich einlässt. Im Juli kommt dann schon meine nächste Gay Romance heraus: „Faustpfand“. Die Liebe eines Kaufmanns zu einem übellaunigen, hinkenden Veteranen wird auf eine harte Probe gestellt, als nämlicher Veteran urplötzlich verschwindet und jemand mit einem Angebot auftaucht, das man besser nicht ausschlägt …    

Und zum Abschluss: Was sind deine 3 besten Schreibtipps?

 

Deine Geschichte: Nur Du kannst sie schreiben!

Oft schüchtert uns ein neues Genre oder ein neues Werk ein. So viel! So groß! Anfangen und fertig schreiben! Denn diese Geschichte ist zu Dir gekommen. Nimm sie an, nimm sie ernst und gib Dein Bestes. Wie ich oben schon schrieb: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber an Herausforderung wachsen wir. Dazu muss man auch durchaus mal die eigene kleine Kuschelzone verlassen.

 

Nur was geschrieben ist, kann auch überarbeitet werden:

Hängt ein bisschen mit dem Rat davor zusammen. Ins Schreiben fallen lassen und einfach auch bewusst Platzhalter und kleinere Fehler stehen lassen. Erst einmal schreiben, um die Geschichte einzufangen. Manches verändert sich im Laufe der Geschichte, und dann muss weiter vorne nachgebessert werden. So lange einen das nicht völlig blockiert (passiert mir manchmal), erst einmal fertig schreiben, vielleicht eine Notiz an den Rand setzen („Der Wirt hat Hintergedanken und tut nur so nett, dabei ist er der Handlanger des Fürsten, der die Tänzerin …“ Du weißt, was ich meine!) und die größeren Umbauarbeiten in die folgende Überarbeitung verschieben.

 

Dazu rate ich, den Roman nach der Fertigstellung erst einmal ruhen zu lassen. AutorInnen werden betriebsblind, und das betrifft nicht nur niedliche Tipp- und Bezugsfehler oder Dinge, die autor weiß, aber nicht explizit in den Roman geschrieben hat. Suche Dir gute BetaleserInnen. Zum einen macht die Arbeit mit ihnen wirklich Spaß, zum anderen stupsen sie Dich auf die Patzer, die holprigen Sätze, die vergessenen Hintergründe.

 

Schreibrausch ausnutzen (und notfalls mit Schokolade füttern):

Das heißt für mich auch, Mut zur Lücke haben. Wenn die Geschichte wie ein Film vor meinem geistigen Auge abrollt und ich kaum noch mit dem Tippen hinterherkomme, ist es perfekt. Und dann taucht da die eine Szene auf, zu der ich noch nicht ganz bereit bin, weil sie emotional schwierig ist, ich die Figur da einfach noch nicht gut genug kenne oder noch ein Funken Recherche notwendig ist? Ich skizziere die Szene, mach an den Rand meine geliebten *** und komme später darauf zurück. Platzhalter nutzen! Gleichgültig, ob das nun Nutella oder der berühmt-berüchtigte Gurkensalat ist, weil einem gerade entfallen ist, wie der Schmied oder die Stadt heißt, oder man sich noch gar keine Gedanken zu dem Namen oder einer Einzelheit gemacht hat. Wenn ich eine Szene oder einen Dialog habe, die erst in hundert Seiten dran sind, mir aber wie ein Flummi im Kopf herumhopsen und alles andere blockieren, dann schreibe ich dieses Fragment eben vor. Wäre doch schade, wenn diese Lebendigkeit verloren ginge, während ich darauf hinfiebere, dass es nun endlich dran ist – und ich in der Vorfreude vielleicht sogar die hundert Seiten davor nur mit halber Leidenschaft schreibe. Ich schreibe üblicherweise chronologisch, aber manchmal muss der Flummi einfach Vorrang haben.

Tanjas Bücher findet ihr unter den Links ganz oben und natürlich auf Amazon. Kleiner Tipp: "Arrion" und "Cajan", die beim Amrûn Verlag erschienen sind, sind nur noch für kurze Zeit erhältlich.

Wenn ihr schlagfertige (wortwörtlich) Heldenduos, spritzigen Humor, der euch die Tränen vor Lachen in die Augen treibt, und epische Plots mögt, bei denen man vor Spannung mitfiebert, so kann ich euch Tanjas Bücher absolut empfehlen.