Plotten für Dummies - Teil 1: Drei, Fünf und Sieben Akte

Herzlich Willkommen zum Schreibtipp Freitag! Schön, bist du wieder mit dabei.

Falls du den letzten Schreibtipp verpasst hast, findest du ihn hier.

Plot – kann man das essen? Nun, man könnte es probieren, aber ich glaube nicht, dass das besonders lecker wäre.

Was ist nun ein Plot?

 Der Plot ist eine stichwortartige, chronologische Aufzählung aller Ereignisse, die ein Autor für seine Geschichte plant. 
Der Plot ist das Skelett eines Romans, und die Worte, Sätze und Kapitel, die aus dem Plot entstehen, sind das Fleisch, das das Buch lebendig werden lässt.
 

Klingt plausibel und eigentlich relativ einfach, nicht? Auf den ersten Blick auf jeden Fall. Auf den zweiten Blick bemerkt fast jeder Autor, wie viel Arbeit so ein Plot wirklich macht. Fängt man einmal an zu recherchieren, welche Plotmethode die beste ist und mit welcher man am einfachsten zum tollsten Plot kommt, schwirrt einen bald mal der Kopf. Wie findest du nun heraus, welche Plotmethode die richtige für dich ist? Bist du ein schlechter Autor, wenn z.B. die Schneeflocke nicht funktioniert für dich? Alle sagen, dass das die beste Methode ist, oder?

 

Um deine Sorgen gleich mal vornewegzunehmen: Es gibt nicht DIE EINE perfekte Methode. Jeder Autor arbeitet anders, jeder Autor plottet auf seine Weise. Viele setzen sich mit der Schneeflockenmethode auseinander, das stimmt, wandeln sie dann aber im Laufe der Zeit zu ihrer ganz persönlichen Methode um mit Faktoren, die für sie funktionieren.    

Die natürliche Erzählweise

Bevor ich dir jedoch die besagte Schneeflocke näherbringe, sollten wir uns erst mit den einfachsten, simpelsten Plots auseinandersetzen. Das sind nämlich die, die wir unbewusst schon immer anwenden. Sie werden uns als Kinder über Märchen, Gutenacht-Geschichten und in Filmen vermittelt. Wir verwenden sie beinahe täglich, wenn wir etwas erzählen und merken es nicht einmal.

 

Ich rede von der 3-Akt-Struktur: Anfang – Mitte – Ende.

 

Etwas ausgefeilter ist die 5-Akt-Struktur: Anfang – Wendepunkt – Höhepunkt – Wendepunkt 2 – Ende. Erinnert euch vermutlich an den Deutschunterricht. Aber genau diese beiden Strukturen sind die Grundgerüste aller großen Erzählungen, von Grimms Märchen über Shakespeare zu Goethe bis hin zur Sendung mit der Maus.

 

Warum sind gerade diese beiden Strukturen so universell? Weil sie die natürliche Erzählweise sind. Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Dazwischen passieren zwei große Ereignisse, die vom Anfang zur Mitte führen und von der Mitte zum Ende.

 

Mach mal den Test: Nimm eine beliebige Geschichte. Einen Film oder ein Buch, meinetwegen auch die Heinzelmännchen der ARD. Sie alle folgen mindestens den 3 Akten, die allermeisten haben 5 Akte.    

Deine Figuren bestimmen die Handlung

Gut, wir haben nun eine Grundstruktur, wie wir unseren Plot aufbauen können. Jetzt kommen deine Figuren mit ins Spiel, denn sie sind es, die den Plot mit ihren Zielen und Konflikten vorantreiben.

 

Ich nehme als Beispiel meine Serie «Frost & Payne»:

 

Lydia Frost will Freiheit von den Dragons (Ziel), muss jedoch einen letzten Auftrag von ihnen annehmen, um das zu erreichen (Konflikt).

Jackson Payne will seine verschwundene Tochter finden (Ziel), setzt dabei sein eigenes Leben aus Spiel und wird von seiner Vergangenheit eingeholt (Konflikt).

 

Im Laufe des ersten Bandes kreuzen sich die Wege der beiden und sie müssen sich unfreiwillig zusammenschließen, um ihre Ziele zu erreichen. Das führt zu neuen Konflikten und der Plot wird weiter vorangetrieben. Das Spielfeld wird größer, neue Figuren aus dem Umfeld der beiden kommen mit rein und bringen ihre eigenen Wünsche, Motivationen, Ziele und Konflikte mit.

 

Ganz einfach gesagt ist die gesamte Serie eigentlich nur die Schilderung von Ereignissen, Konsequenzen von Handlungen (auch solchen aus der Vergangenheit der Figuren), die wiederum Handlungen und Konsequenzen nach sich ziehen, wodurch sich die Figuren entwickeln. Das große Ziel ist es, am Ende alle Konflikte aufzulösen und die Figuren ihre eigenen Ziele erreichen zu lassen.    

Die W-Fragen

Im Journalismus gibt es eine wunderbare Methode: Stelle die sechs W-Fragen. Wer, was, wo, wie, wann, warum. Diese Methode hilft mir beim Plotten, vor allem aber auch später beim Schreiben einzelner Szenen, enorm.

 

Mit diesen einfachen Fragen kannst du wunderbar plotten. Stelle sie deinen Figuren. Die meisten wirst du schon beantworten können (wer, wann, wo, was), aber gerade das Wie und das Warum sind die zentralen Fragen, die ich mir selbst in jeder Szene stelle. Wenn ich diese Fragen beantworte, treibe ich die Handlung voran. Warum macht eine Figur genau das, was sie tut? Wie kommt sie aus der Sache raus? Wie kommt Frost aus dem Haus, als sie beim Diebstahl eines Buches entdeckt wird? Warum handelt sie so, wie sie handelt?

All diese Fragen bzw. Antworten führen wieder zu denselben Fragen, sobald du die nächste Szene in Angriff nimmst. Konflikte führen zu Handlungen, die wiederum zu Konsequenzen und neuen Konflikten führen. Und genau das ist es, was plotten zu einem Spaß werden lässt. Du hast in der Hand, was deinen Figuren passiert, wie sehr sie kämpfen müssen, um ihre Ziele zu erreichen, um am Ende die Siegesparty feiern zu können.

Das nächste Level - 7 Akte

Diese Methode wende ich persönlich sehr gerne an, in Kombination mit anderen Methoden. Die 7-Akt-Struktur ist folgendermaßen aufgebaut:

 

  • Hook: Ausgangssituation, Status Quo. Der Gegenpol zur Auflösung am Ende des Romans.
  •  Plot Turn 1: Das Ereignis, das die erste Veränderung auslöst, den Status Quo auflöst. Der Protagonist bekommt seine Aufgabe, seine Rolle zugewiesen und wird aus seiner Komfortzone geworfen.
  • Pinch 1: Eine Gefahr/ein Ereignis zwingt den Protagonisten zur Handlung gemäß seiner neuen Rolle.
  • Midpoint: Der Protagonist beschließt selbst zu handeln, wächst mit seiner neuen Rolle.
  • Pinch 2: Unüberwindbare Hindernisse stellen sich dem Protagonisten in den Weg, die Situation scheint ausweglos.
  • Plot Turn 2: Die Lösung für das Hindernis wird gefunden, der Protagonist entscheidet sich zur finalen Handlung, die das Ende herbeiführt.
  • Resolution: Auflösung, Ende des Romans. Der Protagonist erlebt die Konsequenzen seiner Handlungen und ist nicht mehr dieselbe Person wie im Hook.

 

Für mich selbst ist bei dieser Methode wichtig, dass ich zeitgleich mit dem Hook, also dem Anfang, auch das Ende der Geschichte plane. Wenn ich weiß, wie die ganze Sache ausgeht und was die Figuren am Ende erreicht haben sollen, wie stark sie sich verändert haben sollen, dann kann ich einen passenden Anfang finden.

 

Viele Autoren machen den Fehler, dass sie am falschen Ort in die Geschichte einsteigen. Die meisten fangen viel zu früh an, an einer Stelle, die nicht relevant ist für das Ende. Ich selbst habe diesen Fehler auch schon sehr oft gemacht, gerade in meinen Anfangszeiten.

Hook und Plot Turn 1 sind sehr dicht beieinander, denn gerade letzterer ist es, der die Handlung startet. Plot Turn 2 und die Auflösung liegen ebenfalls wieder dicht beieinander, denn sie sind das große Finale, der Bosskampf, die Party nach dem Sieg über die Bösen.

Mix it up!

Wie bringe ich die verschiedenen Strukturen nun zusammen? Wie sieht die 3-Akt-Struktur aus, wenn ich die 7-Punkte-Methode reinbringe?

 

Akt 1, der Anfang: Die Eiführung (Hook) und das handlungsauslösende Ereignis (Plot Turn 1).

Akt 2, die Mitte: Der Pinch (Gefahr), der Midpoint (Protagonist beschließt, zu handeln und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen), Pinch 2 (noch mehr Gefahr, alles scheint ausweglos).

Akt 3, das Ende: Der zweite Wendepunkt, in dem die Lösung gefunden wird (Plot Turn 2) und die Auflösung (Resolution).

 

Dabei ist der zweite Akt der längste Teil, denn dort passiert die eigentliche Handlung deines Romans. Anfang und Ende sind die beiden Pole, die alles zusammenhalten. Stell dir die Erdkugel vor: Wie viel Fläche nehmen Nord- und Südpol ein, wie viel die restlichen Kontinente?

Wenn du weißt, wie deine Pole, dein Anfang und dein Ende aussehen, kannst du die restliche Fläche dazwischen mit enorm viel Handlung füllen.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

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Das gibt es nächste Woche:

Plotten für Dummies - Teil 2: Die Heldenreise und die Schneeflocke. Warum so viele Autoren ausgerechnet von diesen Plotmethoden schwärmen, warum sie funktionieren und warum doch so viele gerade an der Schneeflocke scheitern - wie ich selbst.